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Titel
Die Parteiarchive der NSDAP-Wien. Eine erste Bestands- und Überlieferungsgeschichte
Autor*in
Franz J. Gangelmayer
Wienbibliothek
Abstract
National Socialism has been known to have had a very ambivalent relationship with history. On the one hand, in an attempt to legitimize the NS regime, many parallels were drawn with German history. On the other hand, certain »anti-history« trends would try to label this revolutionary movement as a radical, groundbreaking restart. As a result, certain historical events were either rewritten or mystified or even completely ignored, when assimilated into the new official version of German history. The archives of the NSDAP played a crucial role in this scenario. Apart from gathering and safeguarding all the sources of the party historiography, they also presented these to the public in various exhibitions. In its subsidiary role to the regime, it thus largely contributed to the Nazi propaganda campaign. The main NSDAP archive in Munich, and the 43 district archives, compiled all the information deemed relevant in close cooperation with the local population and the Gestapo. Apart from these differences, however, each and every one of these district archives strived to meet the same goal: to try to put its history, as perceived by its population as a whole, in an emotionally coated context, to interpret it according to its own guidelines and to present the result back to the population. This is why the documents and records that remain of these archives in this era give us a valuable insight into the self-conception and selflegitimatization of the NSDAP.
Abstract
Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur Vergangenheit gestaltete sich sehr ambivalent. Während zur Legitimierung der NS-Herrschaft Parallelen zur deutschen Geschichte gezogen wurden, versuchten »geschichtsfeindliche Strömungen« die junge »revolutionäre Bewegung« als radikalen Neubeginn auszugeben. Während somit einige historische Ereignisse mystifiziert in das »parteitreue« Geschichtsbild aufgenommen wurden, wurden andere Zeitgeschehen davon gänzlich ausgeklammert oder verklärt. Eine besondere Stellung nahmen dabei die Parteiarchive der NSDAP ein, die nicht nur die Quellen für die parteiamtliche Geschichtsschreibung sammelten und verwahrten, sondern diese auch der Öffentlichkeit bei Ausstellungen präsentierten und sich infolgedessen als Dienststelle der Partei maßgeblich an der Propaganda beteiligten. Das Hauptarchiv der NSDAP in München und die 43 Gauarchive der einzelnen Gaue trugen mit Unterstützung der Bevölkerung und der Gestapo das für sie wichtig erscheinende Material zusammen. Während die Gauarchive mikrogeschichtlich die Vergangenheit und die politischen Aktionen der Nationalsozialisten in ihrem Gau akribisch festhalten und interpretieren sollten, versuchte das Hauptarchiv eine umfassende Parteigeschichte zu erstellen. Die dafür notwendigen Materialien erhielt es von den jeweiligen Gauarchiven, die quasi als verlängerter Arm des Hauptarchivs in ihrem Gau Archivalien zusammentrugen und nach München sandten. Obwohl das Hauptarchiv einheitliche Richtlinien für den Aufbau und die Arbeitstätigkeiten der Gauarchive erließ, waren diese, je nach persönlichen Ambitionen der meist ehrenamtlichen Gauarchivleiter/innen, sehr unterschiedlich organisiert und aufgebaut. Allen gleich war jedoch der Versuch, die »gelebte Erinnerung« emotional zu inszenieren, nach eigenen Richtlinien zu interpretieren und der Bevölkerung zu präsentieren. Somit geben die noch vorhandenen Unterlagen der Gauarchive heute einen wertvollen Einblick in das Selbstverständnis und die Selbstlegitimation der NSDAP.
Objekt-Typ
Sprache
Deutsch [deu]
Persistent identifier
https://phaidra.univie.ac.at/o:291810
Enthalten in
Titel
NS-Provenienzforschung an österreichischen Bibliotheken. Anspruch und Wirklichkeit
Herausgeber*in
Bruno Bauer
Christina Köstner-Pemsel
Markus Stumpf
Reihe
Titel
Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare
Band
10
Seitenanfang
83
Seitenende
100
Verlag
Wolfgang Neugebauer Verlag GesmbH: Graz-Feldkirch
Erscheinungsdatum
2011
Zugänglichkeit

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